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DIE GEISTIGE KRAFT DER DICHTUNG
Ein Interview mit SAGITTARIUS
Frühjahr 2012

Zuerst eine Frage zur Namensgebung. Wie bist Du auf das Sternbild des Schützen gekommen bzw. welche persönliche Verbindung hast Du zu diesem?

Die Wahl des Namens beruhte – rückwirkend betrachtet – auf einem gewissen Maß an jugendlicher Naivität. Ich wurde im Tierkreiszeichen des Schützen geboren, ebenso fiel die Entscheidung zur Begründung dieses Musikprojektes in diesem entsprechenden Zeitraum. Ohne daß ich in irgendeiner Form horoskopgläubig bin, wird mir nachgesagt, daß Eigenschaften, die dem "klassischen" Schützen zugesprochen werden, auf mich zutreffen, von daher schien mir die Namenswahl damals, Ende 1998, passend zu sein.

Wie würdest Du Eure Kunst/Eure Musik/Euer Schaffen dem Unkundigen vorstellen? Wie willst Du damit verstanden werden?

Sagittarius und die damit verbundenen Veröffentlichungen stellen nichts anderes als Versuche dar, meinem Denken, Fühlen und Handeln, meinen Interessen, Leidenschaften und geistigen Obsessionen einen künstlerischen Ausdruck zu geben, musikalisch irgendwo im Grenzbereich des Neofolk, der Neoklassik und des Kunstliedes verortet, auf textlicher Ebene gespeist durch die traditionelle deutsche und europäische Dichtung und Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere genährt durch die dichterische und geistige Strahlkraft Stefan Georges und seines Kreises.

Dich beschäftigt im Besonderen die Dichtkunst von STEFAN GEORGE. Hier wird es in diversen Kreisen gleich wieder heißen, es gab einmal einen von Goebbels gestifteten George-Preis.. ,auch sei er ein Nietzsche - Freund und beliebt bei einigen Größen im 3.Reich gewesen, wenngleich ihm die Sache eigentlich zu vulgär war. Zumindest scheint dies alles auszureichen, um Euch Auftrittsmöglichkeiten zu entziehen. Wie ist es mit Interviews? Mir scheint, es hat hiervon ebenfalls noch nicht so viele gegeben?

Lustigerweise war der im Jahre 1935 gestiftete Stefan George-Preis bis dato niemals Teil einer antifaschistischen Argumentationskette gegen mich, und sollte dies irgendwann einmal doch erfolgen, wird mir dies nur ein müdes, gelangweiltes und peinlich berührtes Lächeln entlocken. Es ist nun einmal eine Tatsache, daß dieser Preis nichts anderes als ein verzweifelter Versuch war, George, dem im übrigen jegliche alberne Preismeierei zuwider war, posthum doch noch gleichzuschalten, wenn auch auf eine mehr als offensichtlich erbärmliche Art und Weise. Was die Frage nach Interviews betrifft, so ist die Problematik zu einem gewissen Teil anderweitig verortet. Es ist unübersehbar, daß in den letzten 15 Jahren die alte Kultur des gedruckten Fanzines nahezu ausgestorben ist. Über die Gründe kann man nur spekulieren – auf der einen Seite hat sich vieles ins Internet verlagert, allerdings um den Preis einer Marginalisierung der Informationen, die sich mehr auf die Veröffentlichung schnöder CD-Rezensionen und tagesaktueller Neuigkeiten fokussiert. Eine Auseinandersetzung mit den Gruppen an sich in Form von Interviews ist vielfach in den Hintergrund gerückt. Woran das liegt, kann ich nicht wirklich beurteilen, allerdings mag es unter anderem daran liegen, daß die Art der Informationsaufnahme im Internet eine völlig andere ist als im Rahmen einer Lektüre eines gedruckten Magazins, bestimmt von Zeit- und Aktualitätsdruck und einer damit verbundenen Nivellierung von Geist und Tiefgang. Du magst mich gerne eines besseren belehren, aber ein wirklich gut gemachtes Onlinemagazin, das sich mit alten Magazinen wie The Fifth Path, I Came From Darkness oder gar dem Moondance vergleichen läßt, kann ich nur schwerlich ausmachen. Dies alleine den Herausgebern von Onlinemagazinen anzulasten, wäre allerdings unfair, denn zweifelsohne hat sich auch das Leserverhalten gewandelt, dem in vielen Fällen das Lesen eines Interviews am Bildschirm zu umständlich und zeitaufwendig ist. Eine bedauerliche Entwicklung.

Wie sagtest Du jedoch einmal so schön: "Was kümmert es den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen?"! Eine handfeste Aussage, gefällt mir. Nur ist die Distanz Mond - Hund doch wesentlich größer als die zwischen der minderbemittelten Meute und den Angegriffenen. Sprich der Hund kann nicht so einfach auf den Mond springen und ihn beißen oder beschmutzen. Somit hat sein Gebell im Vergleich zu dem, was hier passiert, keine Folgen. Warum geben Veranstalter, Deiner Meinung nach, so schnell klein bei? Die Tipps von links stellen meistens ja nur Behauptungen dar - mal mehr, mal weniger aus der Luft gegriffen.

Als ich vor einigen Jahren diesen Satz in einem Interview äußerte, ging es mir in erster Linie darum aufzuzeigen, daß derlei Angriffe und Diffamierungen mich im Inneren nicht erschüttern können, da sie auf Lügen, Halbwahrheiten und bewußten Mißinterpretationen beruhen. Was mein künstlerisches Handeln betrifft, so habe ich ein reines Gewissen, das mir keine schlaflosen Nächte bereitet. Und um auf den Punkt bzgl. möglicher Gründe für das Kleinbeigeben zu kommen, so mag es in manchen Fällen eine – vielleicht sogar berechtigte – Sorge um die wirtschaftliche Existenz sein, die Konzertveranstalter zu einem Rückzug beim ersten Anzeichen von Gegenwind veranlaßt, in anderen Fällen wird es jedoch wahrscheinlich eher ein Problem von Rückgratlosigkeit sein, sowie eine mangelnde Bereitschaft zur Überwindung von Widerständen.

Im Ausland hättest Du sicherlich kaum oder keine Probleme. Hast Du es je dort versucht?

Es gab in der Vergangenheit durchaus interessante Angebote, was Konzerte im Ausland betrifft, doch sind diese mehrfach – freundlich ausgedrückt – an einer gewissen Selbstüberschätzung der Veranstalter gescheitert. Man muß sich, realistisch betrachtet, vor Augen führen, daß ein Sagittarius-Konzert alleine schon in puncto Budget und Organisation nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Die beteiligten Musiker leben über ganz Deutschland verstreut, zusätzlich wäre es wünschenswert, ergänzend noch den einen oder anderen befreundeten Gastmusiker einzuladen. Dazu kommt ein weiteres Problem, das scheinbar immer wieder auftritt – Veranstalter scheinen ein enormes Problem damit zu haben, ein vernünftiges Klavier zu beschaffen, was natürlich die essentielle Grundlage für einen Sagittarius-Auftritt ist. Und letztlich haben Konzertauftritte für mich eigentlich ihren Reiz verloren.

Besonders beim Wave – Gotik - Treffen in Leipzig hast Du wohl ziemliche Schwierigkeiten gehabt. Dabei kenne ich das WGT gar nicht so engstirnig. Man ließ immer Neo Folk Acts auftreten, obwohl die "Antifa" jedes Mal Probleme machte oder zumindest ankündigte. Ich erlebte es in den 1990er Jahren selbst mit, wie diese Leute sich in der Nähe der Parkbühne auf Festivalbesucher stürzten, um sie vom Besuch der u.a. Auftritte o.g. Richtung abzubringen, gern auch mal durch tätlichen Angriff. Dennoch blieben diese Konzerte fester Bestandteil des Treffens. Was genau hat Euch das dortige Auftrittsverbot beschert?

Die Gründe für die Absage des 2008 angekündigten Sagittarius-Konzerts in der Leipziger Sixtina sind undurchsichtig. Die Leitung des Wave Gotik-Treffens war, nach allem, was ich weiß, hierfür nicht verantwortlich, zumal es sich nicht um ein Konzert im Rahmen des offiziellen WGT-Programms handelte, sondern lediglich um eine mit dem WGT assoziierte Begleitveranstaltung.

Wie dem auch sei – kurz nach der offiziellen Ankündigung des Auftrittes wurde ein wie üblich mies recherchierter Schmähartikel in einem gewissen "unabhängigen" politischen Medienportal publiziert, der dazu führte, daß einige überängstliche Personen aus dem Umfeld des Sixtina-Betreibers ihren Unmut und Sorge vor "antifaschistischen" Übergriffen kundtaten und die Sixtina schließlich einknickte. Des weiteren gab es angeblich eine Bitte seitens der Stadt Leipzig an die WGT-Leitung, das Konzert abzusagen, welche wiederum diese Anfrage an den Sixtina-Betreiber weitergeleitet haben soll. Was nun hiervon letztlich stimmt oder nicht, weiß ich nicht – Fakt ist jedenfalls, daß sich der Sixtina-Besitzer (der im übrigen über meine angeblichen "Verstrickungen" bereits im Rahmen des an gleicher Stelle stattgefundenen Konzerts im Jahre 2006 bestens informiert war!) als rückgratloser Drückeberger erwiesen hat und darüber hinaus in Sachen Konzertorganisation und -planung ein völlig inkompetenter und unkooperativer Dilettant ist. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Um noch einmal zum Schwerpunkt STEFAN GEORGE zurück zu kommen. Er wird mitunter ja auch als "Der Dichter in Zeiten der Wirren" bezeichnet. Ist SAGITTARIUS ebenfalls in gewisser Weise ein Musikprojekt in Zeiten der Wirren? Wie siehst Du das?

Ein interessantes Gedankenspiel, auch wenn ich Sagittarius eher als Musikprojekt sehen würde, das außerhalb der Zeit steht. Ich lebe, auch wenn ich einem regelmäßigen Broterwerb nachgehe, in relativer Abgeschiedenheit und pflege nur wenige soziale Kontakte. Allerdings kann ich mich über Einsamkeit nicht beschweren, denn dank des geschriebenen Wortes, sprich der Bücher, die mich umgeben, bin ich von Freunden, Gefährten und Lehrmeistern aus drei Jahrtausenden umgeben. Einzig der akademische Austausch fehlt, doch läßt sich dieser durch einen stummen, inneren Dialog substituieren. Anders ausgedrückt lebe ich in einer überzeitlichen Zen-Blubberblase, in der ein dezentes akademisches Sich-lustig-machen der religionswissenschaftlichen Koryphäe Konrad Burdach über seinen spinnerten Gralsforscherkollegen Otto Rahn aus dem Jahr 1938 wichtiger ist als fast alle Sorten und Nöte einer Welt, die nicht die meine ist. Und diese Grundlage bietet den Nährboden, aus dem heraus meine Musik entsteht. Wie sie außerhalb des Elfenbeinturms rezipiert wird, ist letztlich sekundär.

Auf einem der SAGITTARIUS - Demos war ein DEATH IN JUNE Cover enthalten. Um welches Stück handelte es sich? Ist diese Art von Musik etwas, dem Du sehr zugeneigt bist? Wie sieht es mit dem Black und Pagan Metal aus? Sicher hörst Du ebenfalls viel Klassik? Erzähle uns einfach mal welche Stellung welche Musik bei Dir hat! Wie ist das bei den anderen Bandmitgliedern? Handelt es sich überhaupt um eine feste Gruppe oder eher um ein Projekt, in welches sich verschiedene Musiker einbringen?

Im Rahmen einiger spontaner Aufnahmen im Zuge eines Besuches bei damaligen Freunden in Gießen, die später zwischenzeitlich fester Teil der Sagittarius-Besetzung wurden, nahmen wir eine Coverversion des Death in June-Stückes "Little Black Angel" auf. Die entstandenen Aufnahmen waren ursprünglich noch nicht einmal für eine Veröffentlichung vorgesehen, sondern sollten eher als Entwurfsskizze für weitere Ausarbeitungen dienen, wurden aufgrund der überraschend guten Aufnahmequalität dann allerdings letztlich doch für zwei kleinere Veröffentlichungen genutzt, die einen Vorausblick auf das damals entstehende Album "Songs From The Ivory Tower" bieten sollten. Konkret wurde "Little Black Angel" für die in einer privaten Auflage von 50 Exemplaren veröffentlichte MCD "Fragmente II" verwendet.

Was die Frage nach meinem persönlichen Musikgeschmack betrifft, so spielt Death in June in meinem musikalischen Universum natürlich eine herausragende Rolle. Es gibt keine ergreifenderen homosexuellen Liebeslieder, als die, die Douglas P. im Laufe der Jahrzehnte komponiert hat. Was gibt es schöneres, als in der Badewanne zu liegen, Burgunder mit Erdbeeren zu schlürfen, während man den Klängen von "Runes and Men" lauscht und mehr und mehr den Wunsch verspürt, hinabzutauchen und einzuschlafen?

Allerdings gibt es nicht allzu viele Projekte, die mich musikalisch und geistig wirklich ansprechen und bewegen können, und so sind die Veröffentlichungen, die ich regelmäßig an mein Ohr heranlasse, begrenzt. Im Apocalyptic Folk-Bereich sind es außer Death in June vor allem Projekte aus dem englischen Raum, die ich sehr schätze – natürlich Current 93 und Fire + Ice, dazu Andrew King, dessen jüngstes Album "Deus Ignotus" eine meisterhafte Bearbeitung traditionellen englischen Liedguts aus verschiedenen Zeitepochen seit dem 13. Jahrhundert darstellt. Und ich freue mich schon sehr auf das anstehende neue Album meiner geschätzten Freunde While Angels Watch.

Was den Black Metal betrifft, so bin ich in dieser Hinsicht in den 1990ern hängengeblieben, und es sind vor allem die frühen Veröffentlichungen von Gruppen wie Necromantia, Rotting Christ, Ancient Rites und Black Crucifixion, die ich immer noch gerne an mich heranlasse. Dazu eine Handvoll wahrscheinlich längst vergessener Demo-Tapes - "Gjotnejm" von Vornat, "Surrounded by these Firs" von Wanderer oder auch "Odes Obscures" von Blessed in Sin. Wenn ich in die Stimmung gerate, in Erinnerungen an alte persönliche Freundschaften versinken zu wollen, kann es auch durchaus sein, daß ich die alten Veröffentlichungen von Secrets of the Moon und Warloghe herauskrame.

Und generell hat die Musik sowohl bei mir, als auch bei den übrigen Mitgliedern der Gruppe einen sehr hohen Stellenwert, auch außerhalb von Sagittarius – angesichts der Tatsache, daß alle beteiligten Musiker auch in anderen Gruppen aktiv sind, in Fahl beispielsweise, einem Dark Ambient-Projekt, an dem Marcel P. und ich gemeinsam mit Dimo Dimov (Svarrogh) arbeiten. Nietzsches Ausspruch "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" dürfte ein geistiges Band sein, das uns alle eint. Und ja – im Laufe der Zeit hat sich Sagittarius durchaus zu einer festen Gruppe entwickelt, alleine schon aufgrund der Tatsache, daß meine Mitmusiker Marcel, Twiggs und Theresia im Laufe der Zeit wichtige und verläßliche Stützpfeiler in meinem musikalischen Schaffen geworden sind. Aber auch in der Zukunft wird es sicherlich immer wieder Kooperationen mit befreundeten Gastmusikern geben, da diese Form von künstlerischem Austausch für alle Beteiligten immer eine bereichernde Erfahrung ist.

Wie ist das damals mit HAILSTORM gewesen und was wurde aus der Idee es noch einmal mit einer neuen Veröffentlichung zu versuchen? Würde das nicht unweigerlich anknüpfen oder war ein Weg aus der einmal von Dir beschriebenen Sackgasse ersichtlich? Bzw. sollte es dieselbe Richtung dann einfach wieder „zurück gehen? Ist hier altes Material in verbesserter Form eventuell die Antwort? So wie auf "The Ivory Tower" auch verbesserte Stücke vom "Fragmente II" Demo enthalten sind?

Die Frage nach der Sackgasse ist durchaus berechtigt, und ich denke, an dieser Stelle ist eine gewisse Konkretisierung erforderlich. Was ich nach der Beendigung Hailstorms als aktives Projekt im Jahre 2000 als Sackgasse empfand, war nicht unbedingt der Mangel an neuen musikalischen Ideen, sondern ein generelles Angeekeltsein von der Black Metal-Szene, ihrem Verlust an Orthodoxie und der Tatsache, daß ihre Ausdruckskraft und -form mehr und mehr kommerzialisiert und – damit einhergehend – banalisiert und abgestumpft wurde.

Die Idee einer letzten Reaktivierung Hailstorms gemeinsam mit dem damaligen Bassisten D.B. kam irgendwann im Jahre 2007 auf und beruhte primär auf einem Bauchgefühl meinerseits, daß musikalisch noch nicht alles zum Abschluß gebracht worden sei, immerhin existierten noch unausgearbeitete Ideen für durchaus gutes Material, die seit dem Jahre 2000 brachlagen. Es war – rückwirkend betrachtet – ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt war. In den meisten Fällen, so auch in diesem, ist es besser, die Toten ruhen zu lassen.

Was hältst Du von heutigen Atmospheric BM Projekten? Mündet gerade solche Musik in eine Sackgasse? Und wie siehst Du es bei der, die Du jetzt machst? Die Gedichte werden sicherlich nicht ausgehen, aber was ist mit den Kompositionsideen? Wird es nicht unweigerlich zu Wiederholungen kommen?

Ich interessiere mich im allgemeinen nicht für zeitgemäße Black Metal-Projekte, egal ob sie atmosphärisch sind oder nicht. In dieser Hinsicht erlaube ich mir ein gewisses Maß an Arroganz und Ignoranz – ich spreche den meisten jüngeren Projekten pauschal die Fähigkeit und das Vermögen ab, der musikalischen und geistigen Ausdrucksform, die der Black Metal vor vielen Jahren einmal darstellte, noch irgendetwas neues, das von Belang sein könnte, hinzuzufügen. Die einzigen Gruppen jüngeren Gründungsdatums, die in den vergangenen Jahren mein Interesse wecken konnten, sind Ascension und Acherontas, wobei letztere immerhin auch schon über eine 15-jährige Traditionslinie zurückblicken können.

Musikalische Sackgassen beruhen auf einem zwanghaften Festhalten an Stilen und einer Weigerung, über den Tellerrand zu schauen und neue Wege zu bestreiten. In manchen Fällen muß eine derartige Tendenz noch nicht einmal etwas Negatives bedeuten, sondern kann vielmehr als eine Art von positiver musikalischer Kontinuität gesehen werden. Was meinen Fall betrifft, so habe ich in den vergangenen Jahren versucht, meinen Kompositionsstil, der u.a. aus dem traditionellen (Volks-)lied des 18. und 19. Jahrhunderts heraus gespeist ist, in der mir möglichen Form weiterzuentwickeln und zu verfeinern, und sobald der Punkt erreicht ist, an dem ich der Ansicht bin, keine Verbesserung mehr erreichen zu können, werde ich wohl einen Schlußstrich ziehen und vielleicht neue Pfade suchen.

Die letzte Frage ist gen Zukunft gerichtet. Über welche Pläne und Ideen kannst bzw. möchtest Du bereits sprechen? Wie kommt das aktuelle Album bei den Hörern an und welchen Musikhörer – Kreisen, um es einmal so zu nennen, wäre es zu empfehlen?

Die neue Sagittarius-CD "The Kingdom Come" wird nach 3 ½ Jahren Entstehungszeit und einigen Verzögerungen mit Drucklegung der vorliegenden Ablaze-Ausgabe hoffentlich endlich bei Cold Spring Records erschienen sein. Da das Album noch auf seine Veröffentlichung wartet, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts über Feedback und Rückmeldungen berichten. Auch über weitergehende Pläne werde ich zu diesem Zeitpunkt nicht sprechen - zwar arbeite ich mehr oder minder kontinuierlich an künstlerischen Ideen, ob und in welcher Form diese das Tageslicht erblicken werden, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch abzuwarten. Letztlich hat ein traditioneller Sinnspruch immer noch Gültigkeit – "Death is certain, life is not."

(Ablaze Magazin #11, Juni 2012)

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